Die geistlichen Ritterorden besaßen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit in ganz Europa Burgen, Höfe, Mühlen, Kirchen und Rechte. Ihren Grundbesitz und die daraus fälligen Abgaben und Dienste verzeichneten sie vielerorts in sogenannten „Urbaren". Diesen Namen greift das Urbar der geistlichen Ritterorden auf: Es verzeichnet und kartiert die Besitzungen von Deutschem Orden, Johannitern und Templern und zeigt, wo sie lagen, wann sie zu welchem Orden gehörten und wie sie mit den Kommenden zusammenhingen.
Erarbeitet wird es seit 2020 an der Forschungsstelle Deutscher Orden der Julius-Maximilians-Universität Würzburg; 2022 ging eine erste Webanwendung online.
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Der Deutsche Orden, die Johanniter/Malteser und Templer entstanden im Umfeld der Kreuzzüge im Heiligen Land. Sie verbanden ein geistliches Leben nach einer Ordensregel mit dem Kampf als Ritter; Deutscher Orden und Johanniter gingen zudem aus der Pflege von Kranken und Pilgern hervor. Alle drei bauten in ganz Europa ein Netz von Niederlassungen auf. Von diesen Kommenden aus verwalteten sie ihre Besitzungen.
Der Deutsche Orden entstand 1190 während des Dritten Kreuzzugs aus einer Hospitalgemeinschaft vor Akkon und wurde 1198 in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt. Seit dem Ende der Kreuzzüge im Heiligen Land verlagerte er seinen Schwerpunkt an die Ostsee: Im 13. Jahrhundert eroberte und christianisierte er Preußen und Teile Livlands und errichtete dort einen eigenen Territorialstaat. Auch nach dessen Säkularisierung 1525 blieb der Orden in zahlreichen Balleien im übrigen Mitteleuropa aktiv – darunter viele der hier erfassten Besitzungen. Bis heute besteht er in zwei getrennten Institutionen fort: dem katholischen Deutschen Orden mit Sitz in Wien und dem seit 1637 eigenständigen Ridderlijke Duitsche Orde, Balije van Utrecht in den Niederlanden.
Der Johanniterorden ging aus einer Hospitalgemeinschaft in Jerusalem hervor, die sich um kranke und mittellose Pilger kümmerte, und erhielt 1113 die päpstliche Anerkennung; im Zuge der Kreuzzüge kam eine militärische Aufgabe hinzu. Nach dem Ende der Kreuzfahrerstaaten verlegte er seinen Sitz zunächst nach Zypern, dann auf Rhodos (1310–1522) und schließlich, nach der Vertreibung durch die Osmanen, auf das ihm 1530 von Kaiser Karl V. übertragene Malta. Seither ist auch die Bezeichnung „Malteserorden" gebräuchlich. Wie der Deutsche Orden spaltete er sich in der Reformationszeit konfessionell: Der auf Malta ansässige Hauptorden blieb katholisch und besteht als souveräner Malteserorden fort, während die Ballei Brandenburg 1538 evangelisch wurde und sich als eigenständige Institution verselbständigte – aus ihr ist der bis heute bestehende Johanniterorden hervorgegangen.
Der Templerorden wurde um 1119 in Jerusalem gegründet, um Pilger auf dem Weg ins Heilige Land zu schützen, und entwickelte sich rasch zu einem der mächtigsten und wohlhabendsten Ritterorden mit einem europaweiten Netz an Kommenden, das auch als frühes Finanzsystem diente. Nach dem endgültigen Verlust der Kreuzfahrerstaaten 1291 geriet er zunehmend unter Druck: Der hoch verschuldete französische König Philipp IV. ließ 1307 zahlreiche Templer verhaften und wegen Häresie anklagen. Auf sein Betreiben hin hob Papst Clemens V. den Orden 1312 auf dem Konzil von Vienne mit der Bulle „Vox in excelso" endgültig auf; nahezu sein gesamter Besitz ging an die Johanniter über. Anders als Deutscher Orden und Johanniter besteht der Templerorden seither nicht fort.
Vollständig erfasst sind bislang Berlin-Brandenburg sowie Mecklenburg-Vorpommern, weitgehend erschlossen die Räume Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg und Franken; die Datenbank wird laufend erweitert. Lücken auf der Karte bedeuten deshalb nicht immer, dass ein Orden dort keinen Besitz hatte. Ziel ist es, den Besitz der drei Orden langfristig in ganz Europa und im östlichen Mittelmeerraum zu erfassen.
Eine Kommende oder Komturei ist eine Niederlassung eines Ritterordens, von der aus die Ordensbrüder ihre Besitzungen in der Umgebung verwalteten.
Orte stehen unter ihrem heutigen Namen, ergänzt um historische Namen. Verschwundene Orte (Wüstungen) stehen unter dem Namen, den die Quellen nennen.
Zu jedem Ort gibt es Angaben in sechs Bereichen: Verwaltung, Lage, Erwerb, Inventar, Personal und das Ende des Besitzes. So lässt sich auch nachvollziehen, wie ein Orden einen Ort erwarb, wer dort tätig war und wie er ihn wieder verlor.