Urbar der geistlichen Ritterorden

Eine Datenbank und ein digitaler Atlas zu den historischen Besitzungen von Deutschem Orden, Johannitern und Templern.

Deutscher Orden

Der Deutsche Orden entstand 1190 während des Dritten Kreuzzugs aus einer Hospitalgemeinschaft vor Akkon und wurde 1198 in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt. Seit dem Ende der Kreuzzüge im Heiligen Land verlagerte er seinen Schwerpunkt an die Ostsee: Im 13. Jahrhundert eroberte und christianisierte er Preußen und Teile Livlands und errichtete dort einen eigenen Territorialstaat. Auch nach dessen Säkularisierung 1525 blieb der Orden in zahlreichen Balleien im übrigen Mitteleuropa aktiv – darunter viele der hier erfassten Besitzungen. Bis heute besteht er in zwei getrennten Institutionen fort: dem katholischen Deutschen Orden mit Sitz in Wien und dem seit 1637 eigenständigen Ridderlijke Duitsche Orde, Balije van Utrecht in den Niederlanden.

Johanniter/Malteser

Der Johanniterorden ging aus einer Hospitalgemeinschaft in Jerusalem hervor, die sich um kranke und mittellose Pilger kümmerte, und erhielt 1113 die päpstliche Anerkennung; im Zuge der Kreuzzüge kam eine militärische Aufgabe hinzu. Nach dem Ende der Kreuzfahrerstaaten verlegte er seinen Sitz zunächst nach Zypern, dann auf Rhodos (1310–1522) und schließlich, nach der Vertreibung durch die Osmanen, auf das ihm 1530 von Kaiser Karl V. übertragene Malta. Seither ist auch die Bezeichnung „Malteserorden" gebräuchlich. Wie der Deutsche Orden spaltete er sich in der Reformationszeit konfessionell: Der auf Malta ansässige Hauptorden blieb katholisch und besteht als souveräner Malteserorden fort, während die Ballei Brandenburg 1538 evangelisch wurde und sich als eigenständige Institution verselbständigte – aus ihr ist der bis heute bestehende Johanniterorden hervorgegangen.

Templer

Der Templerorden wurde um 1119 in Jerusalem gegründet, um Pilger auf dem Weg ins Heilige Land zu schützen, und entwickelte sich rasch zu einem der mächtigsten und wohlhabendsten Ritterorden mit einem europaweiten Netz an Kommenden, das auch als frühes Finanzsystem diente. Nach dem endgültigen Verlust der Kreuzfahrerstaaten 1291 geriet er zunehmend unter Druck: Der hoch verschuldete französische König Philipp IV. ließ 1307 zahlreiche Templer verhaften und wegen Häresie anklagen. Auf sein Betreiben hin hob Papst Clemens V. den Orden 1312 auf dem Konzil von Vienne mit der Bulle „Vox in excelso" endgültig auf; nahezu sein gesamter Besitz ging an die Johanniter über. Anders als Deutscher Orden und Johanniter besteht der Templerorden seither nicht fort.

Datenbank in Zahlen

Stand: September 2026

0
Erfasste Standorte Mit Standorten sind alle Orte gemeint, an denen wir Besitzungen oder Rechte der geistlichen Ritterorden nachweisen konnten.
0
Dokumentierte Kommenden Eine Kommende oder Komturei ist eine Niederlassung eines Ritterordens, von der aus die Ordensbrüder ihre Besitzungen in der Umgebung verwalteten.
0
Literaturtitel

Standorte nach Orden

Deutscher Orden: 1136 (58,7 %)
Johanniterorden: 628 (32,5 %)
Templerorden: 170 (8,8 %)

In dieser Datenbank sind die historischen Besitzungen der drei geistlichen Ritterorden nachgewiesen und mit weiterführenden Informationen erschlossen. Als digitaler Atlas macht die Kartenansicht ihre räumliche Verteilung und die Beziehungen zwischen den Besitzungen und den „Kommenden", den Niederlassungen der Ritterorden, sichtbar. Über die Detailsuche lassen sich die Einträge gezielt nach Ort, Orden und Zeitraum recherchieren.

Projektteam

seit 2026
Benedikt Weigand
Redaktion und Weiterentwicklung der Webanwendung
2022–2023
Aurelia Brandenburg
Konzeption und technische Umsetzung der Webanwendung
2020–2025
Kassandra Hackenberg
Konzeption und redaktionelle Betreuung der Datenbank sowie Entwicklung der Kartensuche

Aktueller Stand

Auf Basis der gegenwärtigen Forschung sind die Regionen Berlin-Brandenburg sowie Mecklenburg-Vorpommern vollständig, die Räume Niederlande, Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg und Franken weitgehend erschlossen. Die Datenbank wird laufend um weitere Kommenden der drei Orden erweitert.

Zeitliche Einordnung

Die Datenbank ist zeitlich nicht begrenzt: Die Einträge reichen vom 12. bis in das frühe 19. Jahrhundert. Das älteste verzeichnete Ereignis stammt aus dem Jahr 1130, das jüngste aus dem Jahr 1820 (Stand September 2026). Über die Suche lassen sich Besitzungen nach Zeitraum eingrenzen.

Aufbau der Datenbank

Jeder Standort wird in sechs Bereichen dokumentiert: Verwaltung, Geographie, Erwerb, Inventar, Personal sowie Besitzaufgabe. So lässt sich neben Lage und Ausstattung eines Standorts auch nachvollziehen, wie er in den Besitz eines Ordens gelangte, wer dort tätig war und wie der Besitz endete. Alle Angaben sind mit der einschlägigen Sekundärliteratur belegt; jeder Standort und jede Kommende sind über eine eigene Zitier-ID (UrbarID bzw. KommendenID) referenzierbar.

Kommenden im Sinne der Datenbank

Kommenden oder Komtureien sind Verwaltungseinheiten der geistlichen Ritterorden. Als Kommende gilt ein Standort in dieser Datenbank, wenn ein Orden dort über einen längeren Zeitraum eine eigenständige politisch-administrative Machtposition innehatte, die in den Quellen auch als Kommende bezeichnet wird. Standorte, die nur kurzzeitig als Kommende belegt sind oder rasch in die Abhängigkeit anderer Standorte gerieten, zählen nicht dazu.

Benennung der Standorte

Noch bestehende Standorte werden nach ihrem heutigen Ortsnamen geführt, ergänzt um historische Bezeichnungen von Ortsteilen oder Fluren, soweit diese die historische Zuordnung erleichtern. Wüstungen ohne moderne Namensrekonstruktion werden unter ihrem in den Quellen belegten Namen verzeichnet.