Beitragsreihe: Eine Exkursion nach Koblenz – Vom Deutschherrenhaus zum Ludwig Museum (Teil 2)
Im letzten Beitrag haben wir uns im Allgemeinen mit dem Deutschen Orden am sogenannten „Deutschen Eck“ befasst, genauer gesagt mit dem Orden in der Stadt und dem Umkreis Koblenz. Der Orden hatte nicht nur viel Einfluss durch seine Zollrechte und seinen Weinanbau in der Region, er hatte auch ein recht großes Kommendenterritorium innerhalb der Stadt Koblenz, das nahe an der Kaiser Wilhelm I. Statue aus dem 19. Jahrhundert war. Im Folgenden befassen wir uns mit der Baugeschichte des Ordens rund um den Rheinbau, später auch Deutschherrenhaus und heute Ludwig Museum genannt.
Der letzte Beitrag erläuterte bereits, dass es im Jahr 1216 die ersten Aufzeichnungen über den Orden in Koblenz gab. Der Rheinbau wurde nach urkundlichen Erwähnungen um 1279 erbaut, da der Orden mit der Zeit immer mehr Gebiet und Gebäude im Umkreis dieses zentralen Gebäudes übernahm und während die im 13. Jahrhundert erbaute Stadtmauer das Ordensgebiet am Rhein weiter abgrenzte und zusätzlich Schutz bot. Im Laufe des Mittelalters wurden die Gebäude der Kommende mehrfach zerstört, wiederaufgebaut, renoviert und umgebaut. In der frühen Neuzeit wurde eine Wohnung für den Komtur im Deutschherrenhaus eingerichtet.
Nach der Übernahme der Stadt Koblenz durch napoleonische Truppen 1794, wurden die Gebäude der Kommende zu Waffenlager und Kaserne umfunktioniert. Im Jahr 1811 kaufte ein französischer General den Rheinbau, den er abreißen und ein Denkmal für die französische Armee errichten lassen wollte, was aber nie umgesetzt wurde. In preußischer Zeit wollte man den Deutschordenshäusern einen neuen Zweck zuweisen und nutzte diese zuerst als Proviantmagazin, später als eine Erweiterung des preußischen Staatsarchivs.
Durch eine Bombardierung im Zweiten Weltkrieg wurde der Großteil der Kommende 1944 zerstört, mit Ausnahme von großen Teilen des Deutschherrenhauses. Der Rheinbau wurde zwischen 1952-1954 wiederaufgebaut, während andere Teile der Kommende nur teilweise oder überhaupt nicht rekonstruiert wurden. Um 1990 herum wurde das Gebäude von der Stadt Koblenz gekauft und zum Ludwigs Museum umgebaut.
Die Ausrichtung des Museums ist vor allem französische Kunst aus dem 20. & 21. Jahrhundert. Die Kunstsammlung der Ludwigs beläuft sich auf über 12.000 Kunstgegenstände, worunter sich auch Werke von Andy Warhol und Pablo Picasso befinden. Es sind unter anderem Kunstwerke von César Baldaccini, Francois Boisrond, Marianne Aue und viele weitere dabei.
Vielen Dank an das Ludwig Museum Koblenz für das zur Verfügung stellen ihrer Festschrift zum 800 jährigen Bestehen des Ordens in Koblenz. Die immer wieder wechselnden Ausstellungen des Kunstmuseums lohnen sich sehr, also stattet ihm doch bei Gelegenheit einen Besuch ab.

Abb. 1: Erinnerungstafel für die Ballei Koblenz am Rheinbau, heute Ludwig Museum

Abb. 2: Rekonstruiertes Torhaus der Deutschordenskommende Koblenz
Text & Bilder: S. Soja
Titelbild: Das Deutschherrenhaus während Renovierungsarbeiten 2026
Literatur:
– Hesslinger, Mark/Reifenscheid, Beate (hrsg.): Die Realität und das Göttliche. Vom Deutschherrenhaus zum Ludwig Museum 1216-2016, Festschrift, Koblenz 2016.
– Website des Ludwig Museums: https://ludwigmuseum.org/sammlung/die-sammler-peter-und-irene-ludwig/

