Beitragsreihe: Die Deutschordensschwestern zu Passau – Verkörperung gelebter Nächstenliebe: Die Deutschordensschwestern vor dem Zweiten Weltkrieg (Teil 2)
Auch wenn die Geschichte des Deutschen Ordens bereits gut erforscht scheint, so ergeben sich bei genauerer Betrachtung noch einige sehr deutliche Lücken in der Ordensforschung. Diese betreffen vor allem die Ordensgeschichte ab der Frühen Neuzeit, insbesondere aber jene der Schwestern des Deutschen Ordens über sämtliche Epochengrenzen hinweg. So weiß die Forschung zwar, dass Adelheit von Taufers gemeinsam mit ihrem Gemahl Hugo das Spital zu Sterzing in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an den Deutschen Orden übergab und im Zuge dessen wenig später selbst in den Orden eintrat. Doch sind weitere Aufnahmen von Schwestern – bzw. entsprechende Institute – nicht nur für das Mittelalter, sondern gleichfalls darüber hinaus eher spärlich zu belegen.
Tatsächlich greifbar werden die Deutschordensschwestern erst wieder in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als 1837 Barmherzige Schwestern in ein eigens für den Schwesternzweig neu gegründetes Kloster in Lana berufen wurden, wenngleich die Schwesternkongregation erst vier Jahre später errichtet wurde. Weitere Niederlassungen sollten z. B. in Freudenthal/Nordmähren (1841/1846) oder Engelsberg/Schlesien (1844) entstehen. Als geistlicher Leiter des wiedererstandenen Schwesterninstituts fungierte P. Peter Rigler, der nicht nur für die Schwestern, sondern für den gesamten Orden eine wichtige Rolle einnahm. Ursprünglich war der Schwesternzweig zum Zwecke der Hauskrankenpflege wie auch des Schuldienstes – hier insbesondere für Mädchen – gegründet worden. Die Tätigkeit der Ordensschwestern bestand somit überwiegend im Spitaldiensten – welcher nicht nur, aber vor allem während Kriegszeiten von Nöten war – so unter anderem in den Kriegen der Jahre 1859, 1864 und 1866. Auch während des Ersten Weltkriegs war die Hilfe des Deutschen Ordens auf dem Gebiet der Sanitätsdienste zwingend notwendig. Daneben wurde der Schuldienst gleichfalls aufrechterhalten.
Die Zwischenkriegsjahre bedeuteten für den gesamten Orden tiefgreifende Veränderungen, wurde doch dessen Besitz in den Nachfolgestaaten Jugoslawien und Tschechoslowakei von deren Regierungen unter Zwangsverwaltung gestellt. Während „auf diplomatischem Wege“ in den genannten Staaten wie auch in Italien mittels Verhandlungen der Deutsche Orden zumindest den Status als klerikaler Orden zugestanden bekam, konnte in Österreich zusätzlich die ritterliche Ausrichtung erhalten bleiben. Hoch- und Deutschmeister Erzherzog Eugen hatte seit 1923 die Umwandlung des ritterlichen Deutschen Ordens in ein ausschließlich klerikales Institut vorbereitet.
Eine wirkliche Ruhephase zur erneuten Konsolidierung war dem Deutschen Orden hingegen nicht vergönnt. Spätestens mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich war dieser existenziell bedroht. So wurde am 6. September 1938 rückwirkend zu Monatsbeginn die Auflösung des Deutschen Ordens und die Verstaatlichung von dessen Besitz angeordnet. Selbiges Schicksal erfuhr der Orden auf tschechoslowakischem Gebiet, welches die Besitzungen in Böhmen, Mähren und Schlesien miteinschloss. Durften die Schwestern in Friesach noch im Krankenhaus arbeiten – dessen Besitz war dem Land Kärnten zugeschlagen worden –, so wurden andernorts die Schwestern beispielsweise aus dem Schuldienst entlassen. Zur Sicherung des Fortbestandes der Gemeinschaft konnte ein Verein gegründet werden, wodurch die Fortführung der Arbeit im Pflegebereich möglich war. Schwestern, die tschechischer oder slowakischer Herkunft waren, wurden durch das Regime jedoch ausgewiesen. Diese gründeten im Protektorat Slowakei eine provisorische Provinz des Deutschen Ordens und waren weiterhin in der Pflege, in Kinderheimen oder in Pfarrhaushalten tätig. Auch die Ordenshäuser der Provinz Jugoslawien oder in Südtirol erfuhren ein ähnliches Schicksal.
Abb.: Gemälde „Die drei Zweige des Ordens“
Text & Bilder: Katharina Kemmer

