Beitragsreihe: Eine Exkursion nach Koblenz– Die Kommende und Kammerballei Koblenz (Teil 1)
In diesem Frühjahr besuchte ein Mitglied unserer FDO die Stadt Koblenz an Rhein und Mosel, dem sogenannten „Deutschen Eck“. In der rheinland-pfälzischen Stadt gab es ab 1216 eine Kommende des Deutschen Ordens, die ab dem 14. Jahrhundert auch zu einer Kammerballei erhoben wurde. Die Geschichte des Ordens in Koblenz reicht fast 600 Jahre bis zur Auflösung in den Rheinbundstaaten.
Aber von Anfang: Der 1190 vor Akkon gegründete Deutsche Orden erlangte seine ersten Besitzungen im Reich tatsächlich in Köln und Koblenz 1216. Der Orden übernahm ein Hospital des Kanonikerstifts St. Florian, während der Erzbischof von Trier die Besitzungen des Ordens durch die Androhung der Exkommunikation schützte. Um ca. 1300 lässt der Orden eine neue Kapelle bauen und kauft mehrere Wirtschaftsflächen und Gebäude, um das Gebiet der Kommende zu erweitern.
Ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor vor Ort war der Weinanbau. Der Orden besorgte sich von mehreren rheinischen Adeligen und Bischöfen die Zollrechte, um den Wein einfacher und günstiger transportieren zu können. Mit der wachsenden Bedeutung der Kommende ging die Erhebung zu einer Kammerballei einher. Diese unterscheidet sich von den üblichen Balleien des Ordens insofern, dass sie unter der direkten Verwaltung des Hochmeisters steht. Das bedeutete direkte Abgaben an die hochmeisterliche Kammer, die durch die Niederlage des Ordens gegen Polen und Litauen 1410 in der Schlacht von Tannenberg nochmal deutlich stiegen.
Es folgte eine Phase des wirtschaftlichen Niedergangs, bis schließlich das Ordensland Preußen 1525 verweltlicht und zu einem protestantischen Fürstentum wurde. Bis in das 19. Jahrhundert hinein hatten die Besitzungen des Ordens mal Schwierigkeiten und bessere Phasen innerhalb des Reiches.
Im Zuge der napoleonischen Kriege wurde das Reich zerschlagen und Napoleon löste mit einem Tagesbefehl 1809 die Besitzungen des Ordens in den Rheingebieten auf. Darunter gingen auch die Güter der Kammerballei Koblenz an die örtlichen Adeligen oder an die französische Armee.
Bleibt auf die nächsten Wochen gespannt, denn es gibt noch viel über Koblenz und die Rolle des Ordens am „Deutschen Eck“ zur erzählen!

Abb. 1: Das Wappen der Ballei Koblenz.

Abb. 2: Viele Menschen denken, dass das „Deutsche Eck“ seinen Namen aufgrund des Kaiser Wilhelm I. Denkmal trägt, aber tatsächlich heißt es so wegen der Geschichte der Präsenz des Deutschen Ordens an der Kreuzung zwischen Rhein und Mosel.
Bilder & Text: S. Soja.
Titelbild: Papst Honorius III. bestätigt dem Deutschen Orden die Schenkungen im Rheinland 1216.
Literatur: Hesslinger, Mark/Reifenscheid, Beate (hrsg.): Die Realität und das Göttliche. Vom Deutschherrenhaus zum Ludwig Museum 1216-2016, Festschrift, Koblenz 2016.
Abbildungsverzeichnis:
- Titelbild: Urkunde Papst Honorius III. an den Deutschen Orden, Narni, 24. August 1216, Pergament, 24 x 17,5 cm, Deutschordens-Zentralarchiv, Wien, DOZA 12160824.
- Abb. 1: Wappen der Ballei Koblenz, DOZA HS 194 (digital nachbearb.).
- Abb. 2: Eigenaufnahme.

