Auf persönlichen Wunsch hin trat Anton Viktor im Jahr 1803 schließlich in den Deutschen Orden ein, was den Beginn einer für den Orden von Krisen geprägten Zeitperiode markierte. Im gleichen Jahr tagte das Generalkapitel des Deutschen Ordens in Mergentheim, bei dem die Entscheidung um die Nachfolge des Hochmeisteramtes von Karl Ludwig von Österreich auf Anton Viktor fiel, welches er 1804 antrat. Im zweiten Generalkapitel zu Mergentheim 1805 beratschlagte sich der Orden u. a. über die Lage der ehemaligen linksrheinischen Besitzungen, was allerdings wegen der Eroberung Mergentheims durch Napoleon und seine Verbündeten ein verfrühtes Ende fand.

Vertreter des Ordens legten Protest ein, aber ohne Erfolg: Im Preßburger Frieden 1805 verlor der Deutsche Orden zusätzlich noch seine seit mehreren Jahrhunderten bestehende Reichsstandschaft. Im Frieden von Schönbrunn (1809) büßte man endgültig alle Rechte und Besitzungen in den Rheinbundstaaten ein.

Durch die einschneidenden Veränderungen, die der Wiener Kongress (1815) in der europäischen Landschaft mit sich brachte, und den Verlust von großen Teilen des Einflussgebietes, das der Orden noch vor ein paar Jahren innehatte, widmete sich Hochmeister Anton Viktor anderen Tätigkeiten. Er wurde Mitglied in Vereinen und Gesellschaften, bekam die Berufung zum königlichen Kommissar des ungarischen Parlamentes und war von 1816 bis 1818 Lombardo-Venezianischer Vizekönig. Insgesamt bemühte sich Anton Viktor darum, den Deutschen Orden nach den schweren Jahren neu zu organisieren, wobei er die ersten bewegenden Veränderungen kurz vor seinem Tod begann, mit der Erklärung Österreichs als Schutz- und Schirmherrn des Deutschen Ordens (1834). Im Jahr 1835 starb er und wurde in Wien begraben.

Ein Zitat aus einem Aufsatz von P. Frank Bayard OT, Generalabt und Hochmeister des Deutschen Ordens, fasst die Zeit des Habsburgers treffend zusammen: „Anton Viktor war kein ruhmreicher Hochmeister, er hat den Orden nicht wie sein Nachfolger […] zu einer neuen Blüte […] geführt, aber er war ein treuer Verwalter der ihm anvertrauten Ordensgemeinschaft in schwierigen Zeiten. Dafür gebührt ihm Anerkennung.“

 

Hier sieht man das Hochmeisterkreuz des Deutschen Ordens

Abb.: Hochmeisterkreuz des Deutschen Ordens

 

Literatur:

  • Bayard OT, Frank: Anton Victor. 31. August 1779 – 2. April 1835, Hochmeister des Deutschen Ordens, in: Ableitinger, Alfred/Raffler, Marlies (Hgg.): „Johann und seine Brüder“. Neun Brüder und vier Schwestern, Habsburger zwischen Aufklärung und Romantik…, Beiträge der Internationalen Tagung vom 4./5.Juni 2009 in Graz (=Veröffentlichungen der Historischen Landeskommission für Steiermark, Bd. 42), Graz 2012, S. 99-111.
  • Forster, Hanna: Hochmeister Erzherzog Anton Viktor. Linz 2017.
  • Demel, Bernhard: Anton Victor von Österreich 1804-1835. in: Arnold, Udo (Hgg.): Die Hochmeister des Deutschen Ordens 1190-2012. (=Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Bd. 40). Weimar 22014, S. 279-282.