Habsburger, Erzherzog, Hochmeister des Deutschen Ordens – Anton Viktor von Österreich zu Zeiten des Umbruchs in Europa: Sein Leben bis 1803 (Teil 1)

Europa erlebte am Übergang des 18. zum 19. Jahrhundert eine turbulente Zeit. Geprägt von der französischen Revolution (1789) und den darauffolgenden Koalitionskriegen (1790-1815) veränderten sich die Machtstrukturen des Kontinents und damit auch die Rolle des eutschen Ordens innerhalb dieser Strukturen. Zwischen 1780 und 1923 waren insgesamt sechs Erzherzhöge aus dem Hause Habsburg Hochmeister des Ordens, so unter anderem auch Anton Viktor Joseph Johann Raymund von Österreich (1779-1835).

Als achter Sohn es späteren Kaisers Leopold II. und seiner Frau Maria Ludovika von Spanien wurde er in der italienischen Stadt Florenz geboren. Dort verbrachte er bis zum elften Lebensjahr seine Kindheit, mit der Wahl seines Vaters zum römisch-deutschen Kaiser, musste er an den kaiserlichen Hof nach Wien umziehen. Seine in bereits in Florenz begangene militärische, natur- und geisteswissenschaftliche Ausbildung wie auch eine strenge Erziehung fanden am Hof in Wien ihre Fortsetzung.

Im Jahr 1792 sterben beide Elternteile nach kurzer Krankheit, während seit 1790 bereits der Erste Koalitionskrieg tobte, dessen Auswirkungen bald auch in der österreichischen Hauptstadt spürbar waren. Im April 1797 mussten Anton Viktor und seine Geschwister auf Grund massiver Unruhen – in Folge der österreichischen Niederlage gegen Napoleon in Norditalien – Wien in Richtung Prag verlassen. Eine Rückkehr erfolgte bereits wenige Tage später.

Ab da begann für Anton Viktor ein neuer Lebensabschnitt: Der junge Erzherzog bekleidete ab 1801 eine Reihe politischer und militärischen Ämter, zum großen Teil rein repräsentativ. Er wurde zum Oberstfeldzeugmeister im österreichischen Militär ernannt, 1801 erfolgte die Wahl zum Fürstbischof von Münster wie auch jene zum Erzbischof/Kurfürsten von Köln, wenngleich beides nicht von langer Dauer sein sollte. Bereits 2 Jahre später wurden sowohl Köln, als auch Münster von preußischen Truppen annektiert, was bedeutete, dass das Gebiet für die Habsburger verloren war.

Der Beitrag am nächsten Donnerstag wird sich mit der schwierigen Lage des Ordens unter Hochmeister Anton Viktor befassen und wie er versuchte diesen zu retten.

 

Titelbild: Hochmeister Anton Victor. Gemälde von Johann Baptist Lampi d. J., Schatzkammer des Deutschen Ordens, Wien.

Text: S. Soja

Literatur:

P. Bayard OT, Frank: Anton Victor. 31. August 1779 – 2. April 1835, Hochmeister des Deutschen Ordens, in: Ableitinger, Alfred/Raffler, Marlies (Hgg.): „Johann und seine Brüder“. Neun Brüder und vier Schwestern, Habsburger zwischen Aufklärung und Romantik…, Beiträge der Internationalen Tagung vom 4./5.Juni 2009 in Graz, (=Veröffentlichungen der Historischen Landeskommission für Steiermark, Bd. 42), Graz 2012, S. 99-111.

Demel, Bernhard: Anton Victor von Österreich 1804-1835. in: Arnold, Udo (Hgg.): Die Hochmeister des Deutschen Ordens 1190-2012. (=Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Bd. 40). Weimar 22014, S. 279-282.

Forster, Hanna: Hochmeister Erzherzog Anton Viktor. Linz 2017.