Beitragsreihe: 1525 – Der Deutsche Orden im Bauernkrieg – Thüringen, Südtirol und das Elsass (Teil 6)

In der Ballei Thüringen begannen die Auseinandersetzungen bereits 1523 in Mühlhausen. Hier hatte der Orden das Recht, beide Pfarreien, in Alt- und Neustadt, mit Priestern zu besetzen. Im Streit zwischen Komtur und Bürgern über die Besetzung von Priesterstellen setzten die Bürger kurzerhand selbst einen beweibten verlaufen mönch ein. In Predigten lud sich die Stimmung auf, schließlich wurde das Pfarrhaus des Ordens geplündert und der Komtur musste sich in der Sakristei verbarrikadieren. In der Neustadt trat sogar der berühmte reformierte Prediger Thomas Müntzer auf, der auf Seiten der Bauern in der Schlacht bei Frankenhausen kämpfte und in der Folge am 27. Mai 1525 vor den Toren Mühlhausens hingerichtet wurde.

Auch in Südtirol waren die geistlichen Grundherren, darunter der Deutsche Orden, von der Erhebung betroffen. In der kleinen Ballei „An der Etsch und im Gebirge“, deren Hospitäler zur Zeit der Kreuzzüge die Versorgung der Pilger und Kreuzfahrer sicherstellen sollten, gab es fünf Kommenden.

Die Spitäler und die seelsorgerischen Pflichten wurden bald schon stark vernachlässigt. Auch hier trafen soziale Missstände auf eine religiöse Unzufriedenheit. Daher wurden im Tiroler Bauernaufstand fast alle Kommenden schwer getroffen. Bei dem Aufruhr hatte man es erneut vor allem auf die Archive abgesehen, in denen Urkunden und Zinsregister die Abgaben der Untertanen schriftlich regelten.

Die Ballei Elsass-Burgund umfasste 15 Kommenden, von denen sechs im Elsass lagen. Während die Kommenden in den Städten Straßburg und Mülhausen verschont blieben, traf es die anderen teilweise schwer. Aus der Reichsstadt Kaysersberg hat sich ein Bericht des Ludwig Cuntzler an den Landkomtur erhalten, der als Augenzeuge die Plünderungen erlebt hatte. Man öffnete den Aufständischen die Tore und ließ sie in die Kommende eindringen, wo sie schlemen und vressen die gantze nacht, während er selbst mit einer Hellebarde bedroht wurde.

Wie schwierig solche Aussagen zu interpretieren sind, zeigt sich in einem Brief der Kaysersberger Ratsmitglieder an denselben Landkomtur, die sich damit brüsten, dass ohne ihren Schutz das Deutschordenshaus on alles uffhalten zerissen undt zerstert worden wäre.

 

 

Hier sieht man das Denkmal von Thomas Müntzer

Abb. 1: Das Thomas Müntzer Denkmal vor der Stadtmauer Mühlhausens erinnert noch heute an sein Wirken im Bauernkrieg.

 

Hier sieht man einen Textausschnitt

Abb. 2: Der vom Deutschen Orden eingesetzte Verwalter beschrieb in dramatischen Worten die Plünderung an den elsässischen Landkomtur, hier ein Ausschnitt.

 

Zu den Abbildungen:

Titelbild: In der Ordenskirche in Bozen (Weggenstein) ist noch ein Fresko mit zwei knienden Deutschordensbrüdern zu sehen, links ein Ritter, rechts ein Priester. An den Bauernkrieg erinnert hier, so der Historiker Franz-Heinz Hye, nur indirekt das Fehlen von Grabdenkmälern und Aufschwörschildern aus der Zeit vor 1525.

 

Abbidlungsverzeichnis:

Titelbild: Fresko an der Ordenskirche in Bozen/Weggenstein, Aufnahme Katharina Kemmer.

Abb. 1: Thomas-Müntzer-Denkmal am Frauentor in Mühlhausen/Thüringen, Michael Sander (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0).

Abb. 2: Ausschnitt aus dem Brief Cuntzlers (Archives Départementales du Haut-Rhin (Colmar), Série H, 38 H 1, Brief Nr. 5, Licence ouverte 2.0 Etalab) [Aufnahme und nachbearb. durch BW].

Hier sieht man das Impressum der Ausstellung BK