Beitragsreihe: Die Deutschordensschwestern zu Passau – Verkörperung gelebter Nächstenliebe: Kloster St. Nikola zu Passau, Mutterhaus der Deutschordensschwestern – ein historischer Überblick (Teil 1)

Zwischen den Jahren 1067 und 1072 – die vorliegenden Quellen lassen eine nähere Eingrenzung nicht zu – wurde auf Grund einer Initiative Bischof Altmanns von Passau das Kloster St. Nikola gestiftet. Der Gründungsvorgang fand somit in einer Phase der mittelalterlichen Kirchenpolitik statt, die durch Auseinandersetzungen zwischen dem Papsttum in Rom und dem salischen Kaiserhaus geprägt war, ohne dass diese Ereignisse zunächst direkten Einfluss auf das neugegründete Kloster ausübten.

Daneben kam es in Gestalt der cluniazensischen Klosterreform zu einer kirchlichen Erneuerungsbewegung, welcher auch Bischof Altmann nahestand. Jene neue Strömung motivierte den Bischof schließlich dazu, die Gründung eines Männerklosters – gelegen im Südosten des Spitzberges in Passau – voranzutreiben, die Augustiner-Chorherren sollten hier ansässig werden. Um das Überleben der Augustiner-Chorherren sicherzustellen, übereignete Bischof Altmann Land, weiteren Besitz sowie zugehörige grundherrliche Rechte, welche sogar die Niedergerichtsbarkeit einschlossen.

Doch sollte die anfangs so erfolgreich scheinende Neugründung alsbald durch die Wirren des Investiturstreites in Mitleidenschaft gezogen werden, da der Passauer Bischof treu auf Seiten des Papstes Gregor VII. stand. In der Folge sollten die Unterstützer von Papst und Bischof durch königliche Getreue verjagt werden, diese nahmen Passau bis zu Beginn der 1090er Jahre in Besitz. Erst unter Bischof Udalrich (1092-1121) konnten die Schäden der vorangegangenen Auseinandersetzung beseitigt und die finanzielle wie auch wirtschaftliche Lage des Klosters verbessert werden. Ist für das Kloster im Folgenden zwar ein langsamer, aber stetiger Aufwärtstrend zu beobachten, so musste Bischof Rüdiger von Passau dieses 1248 an die Herzöge von Bayern abgeben.

Während also Passau selbst dem (Fürst-) Bischof unterstand, lag das Kloster fortan auf bayerischem Territorium. Jene etwas ungewöhnliche Konstellation sollte zu jahrhundertelangen Auseinandersetzungen zwischen den Bischöfen von Passau und den bayerischen Herzögen führen. Obwohl sogar das Reichskammergericht in Speyer zugunsten des Passauer Bischofs entschied, war dieser zu schwach, um seine Ansprüche gegen die übermächtigen Wittelsbacher durchsetzen zu können. Erst mit der Säkularisation des Jahres 1803 änderten sich die Zustände, allerdings nicht zum Guten: St. Nikola wurde aufgehoben.

Die folgenden Jahrzehnte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verliefen für St. Nikola recht wechselhaft. So bestanden – allerdings nie realisierte Pläne – auf dem Gelände eine Porzellanfabrik einzurichten, zwischen 1809 und 1810 befand sich dort ein französisches Lazarett und im Anschluss bis zur Mitte der 1940er Jahre eine Kaserne. Parallel hierzu war zeitweise (1810 bis 1888) eine Brauerei dort untergebracht. Im Herbst 1944 nistete sich schließlich die SS ein, ab 1945 – nach Kriegsende – war hier ein Flüchtlingslager für 4.000 Vertriebene eingerichtet worden. Im August 1945 kamen schließlich die ersten Deutschordensschwestern nach Passau.

 

Das war der erste Beitrag unserer Beitragsreihe zu den Deutschordensschwestern in Passau. Bleibt auf die nächsten Wochen gespannt, es werden noch einige Artikel folgen!

 

Hier sieht man den Innenhof von St. Nikola

Abb. 1: Innenhof von St. Nikola

 

Hier sieht man einen Blick in die Krypta von St. Nikola

Abb. 2: Krypta von St. Nikola

Titelbild: Luftbild von St. Nikola

Text & Bilder: Katharina Kemmer