Als Hochmeister Albrecht von Brandenburg-Ansbach 1525 den Deutschordensstaat in Preußen säkularisierte und in ein protestantisches Fürstentum umwandelte, verlor der Deutsche Orden eine seiner wichtigsten Territorialbesitztümer. Durch die Reformation geriet der Orden in den nächsten Jahrhunderten immer mehr in die Situation, dass sich mehrere Konfessionen im römisch-deutschen Reich breitmachten und auch aus den eigenen Reihen einigen Zulauf erhielten. Neben den Lutheranern gab es auch die Reformierten (überwiegend Calvinisten), die nun in den Balleien und Kommenden des Deutschen Ordens lebten, wobei die Reformation auch die Tendenzen zur Autonomie in diesen Strukturen des Ordens anregte.

Ab dem Ende des Dreißigjährigen Krieges veränderte sich die konfessionelle Landschaft des Ordens erheblich: Balleien wie Koblenz, Elsaß-Burgund, Franken, etc. blieben katholisch, während Thüringen und Sachsen lutherisch wurden, wobei die Ballei Utrecht (losgelöst vom Orden seit 1637) calvinistisch wurde. Die Ritterbrüder aller drei Glaubensbekenntnisse sind gleichermaßen dem Hoch- und Deutschmeister unterstellt, was eine Besonderheit unter den geistlichen Ritterorden darstellte, zumal jede dieser Konfessionen je nach territorialer Zugehörigkeit mehr oder weniger Einfluss hatte.

Die Ballei Hessen bildete einen Sonderfall in der konfessionellen Ordnung des Ordens, da in dieser Katholiken, Lutheraner und Reformierte gleichermaßen Ordensritter umfasste. Das war zum einen durch die Vertragsbestimmungen des Westfälischen Friedens 1648 möglich, die einen Artikel zur reichsrechtlichen Gleichstellung vom Calvinismus mit den anderen Konfessionen erlaubte. Zum anderen schlossen der Hoch- und Deutschordensmeister Johann Casper von Ampringen (1664–1684) und der Landgraf Karl von Hessen-Kassel im Jahr 1680/81 einen Vertrag, der alle drei Konfessionen zuließ.

 

Hier sieht man ein Gemälde von Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ordens Johann Casper von Ampringen (1619–1684)

Abb.: Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ordens Johann Casper von Ampringen (1619–1684)

 

Text: S. Soja

 

Titelbild: Porträt von Karl, Landgraf von Hessen-Kassel (1654–1730)

 

Literatur:

Demel, Bernhard: Von der katholischen zur trikonfessionellen Ordensprovinz. Entwicklung in der Personalstruktur der hessischen Deutschordensballei in den Jahren 1526–1680/81, in: Anrold, Udo/Liebing, Heinz (Hrsg.): Elisabeth, der Deutsche Orden und ihre Kirche. Festschrift zur 700jährigen Wiederkehr der Weihe der Elisabethskirche Marburg 1983 (=Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Bd. 18) Marburg 1983, S. 186–189.

Weiß, Dieter J.: Deutscher Orden, in: Schindling, Anton/Ziegler, Walter (Hrsg.): Nachträge (=Die Territorien des Reiches im Zeitalter er Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession 1500–1650, Bd. 6), Münster 1996, S. 224–248.